- Startseite
- Ratgeber
- Pferdekauf: Checkliste und das Wichtigste im Überblick
Pferdekauf: Checkliste und das Wichtigste im Überblick
Ein Pferdekauf bindet Sie für Jahre. Diese Punkte sollten Sie prüfen, bevor Sie unterschreiben.
Von Javols4 Min. Lesezeit
Ein Pferdekauf bindet Reiter und Pferd für Jahre. Eine klare Checkliste zu Papieren, Gesundheit, Charakter und Kosten erspart die meisten bösen Überraschungen. Nehmen Sie sich Zeit zum Beobachten, für Fragen und idealerweise für ein Probereiten über mehrere Tage.
Die wichtigsten Papiere
Prüfen Sie zuerst Identität und Status des Pferdes. In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich ist die Kennzeichnung von Equiden Pflicht. In der Schweiz muss jedes Equid zusätzlich in der Tierverkehrsdatenbank Agate registriert sein: Vergewissern Sie sich vor dem Kauf, dass das der Fall ist.
- Aktueller Equidenpass mit lesbarem Mikrochip.
- Von beiden Seiten unterschriebener Kaufvertrag mit Preis, etwaigen Zusicherungen und dem bekannten Gesundheitszustand des Pferdes.
- Nachweise über Impfungen und Entwurmungen, idealerweise aktuell.
- Idealerweise das Protokoll einer aktuellen Ankaufsuntersuchung (mit Röntgenbildern, wenn das Pferd im Sport eingesetzt werden soll oder schon älter ist).
Ein Pferd ohne gültigen Pass darf weder legal transportiert werden noch an Turnieren starten. Lassen Sie sich die Originale zeigen und prüfen Sie nach Möglichkeit, ob Pass und Chip übereinstimmen. Ein seriöser Verkäufer übergibt beim Kauf alle Papiere.
Das Pferd genau ansehen
Beobachten Sie das Pferd im Stand, in der Bewegung und wenn möglich unter dem Sattel. Begnügen Sie sich nicht mit einer kurzen Vorführung.
Im Stand und an der Hand
- Allgemeinzustand: Fellqualität, Bemuskelung, Stellung der Gliedmaßen.
- Verhalten: ruhig oder nervös, Reaktion auf Menschen, Umgänglichkeit.
- Maul, Augen, Beine: Anzeichen von Verspannungen, alten Verletzungen oder Empfindlichkeit.
- Hufe: Hornqualität, aktueller Beschlag oder letzte Hufbearbeitung, Hufform.
In der Bewegung
Lassen Sie das Pferd im Schritt, im Trab und wenn möglich im Galopp frei oder an der Longe gehen, auf hartem und weichem Boden. Achten Sie auf taktreine Gänge, das Untertreten der Hinterbeine und versteckte Lahmheiten, die nur im Trab sichtbar werden. Ein eigener Proberitt ist unverzichtbar, sobald Ausbildungsstand und Alter des Pferdes es zulassen. Bitten Sie auch den Verkäufer zu reiten, um die Reaktionen zu vergleichen.
Eine unabhängige Ankaufsuntersuchung ist nach wie vor der beste Schutz. Sie kann Probleme aufdecken, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind (alte Verletzungen, Knochenveränderungen). Bei Sportpferden werden oft Röntgenbilder der Gliedmaßen und manchmal des Rückens verlangt. Die Kosten dafür sind gering im Vergleich zu einem Problem, das zu spät entdeckt wird.
Charakter und Eignung
Das Pferd muss zu Ihrem Können, Ihren Zielen und Ihrem Alltag passen. Ein Pferd, das zu stark oder zu sensibel für Sie ist, wird schnell zur Belastung.
- Einsteiger oder Freizeitreiter: ein ruhiges, gut ausgebildetes Pferd, das Fehler verzeiht und mit wechselnder Umgebung umgehen kann.
- Erfahrene Reiter: ein Pferd mit mehr Blut, Erfahrung oder Potenzial, je nach Ihren Ambitionen.
- Freizeit oder Turnier: Prüfen Sie den erreichten Ausbildungsstand, die Arbeitsbereitschaft und das Verhalten im Gelände oder in der Gruppe.
Stellen Sie konkrete Fragen zum Alltag: Verhalten auf der Weide mit anderen Pferden, beim Putzen und Satteln, beim Transport, bei Neuem. Ein Probereiten über mehrere Tage, wenn der Verkäufer einverstanden ist, verrät mehr als ein einstündiger Besuch. Achten Sie auch darauf, wie sich das Pferd verhält, wenn es nicht „vorgeführt“ wird.
Budget und laufende Kosten
Der Kaufpreis ist nur ein Teil des Budgets. Planen Sie über mehrere Jahre:
- Pensionsstall oder Weidehaltung (Zäune, Unterstand, Heu).
- Hufschmied (etwa alle 6 bis 8 Wochen).
- Tierarzt (jährliche Impfungen, Entwurmungen, Unvorhergesehenes, eventuelle Behandlungen).
- Futter und Ergänzungsfutter, wenn das Pferd besondere Bedürfnisse hat.
- Ausrüstung (passender Sattel, Trense, Gamaschen, Decken je nach Jahreszeit).
Diese Kosten summieren sich schnell. Ein „günstiges“ Pferd kann bei Behandlung, Pension oder Reha teurer werden als ein gut vorbereitetes und betreutes Pferd. Fragen Sie immer nach dem Gesundheits- und Trainingsverlauf des Pferdes, und vergleichen Sie mit den Pferden zu verkaufen aus der Zucht.
Nach dem Kauf
Bereiten Sie die Ankunft vor: passende Box oder Weide, schrittweise Futterumstellung über mehrere Tage, eine Eingewöhnungszeit ohne Druck. Ein Pferd, das die Umgebung wechselt, braucht Zeit, um sich sicher zu fühlen und bis sich die Darmflora angepasst hat. Behalten Sie in den ersten Tagen Appetit, Kot und Verhalten im Auge.
Halfter, Führstrick, Putzzeug, bei Bedarf ein Sattel: Die Ausrüstung für die ersten Tage bereiten Sie am besten vorab vor, mit dem Shop und den Beiträgen in den Ratgebern. Sie sind sich bei einem bestimmten Pferd oder der Organisation seiner Ankunft unsicher? Sprechen wir darüber über die Kontaktseite.
Ein gelungener Pferdekauf beruht auf aufmerksamem Beobachten, klaren Papieren, einer Ankaufsuntersuchung und einem ehrlichen Blick auf die langfristigen Kosten. Lassen Sie sich Zeit. Ein gutes Pferd am richtigen Ort, regelmäßig betreut, ist mehr wert als ein schlecht vorbereiteter Spontankauf.
Häufige Fragen
Welche Papiere brauche ich beim Pferdekauf?
Den Equidenpass, einen schriftlichen Kaufvertrag und idealerweise das Protokoll einer aktuellen Ankaufsuntersuchung. Prüfen Sie auch Impfungen und Gesundheitszustand.
Ist ein Proberitt immer nötig?
Ja, sobald Ausbildungsstand und Alter des Pferdes es erlauben. Sehen Sie sich das Pferd an der Longe, frei laufend und unter dem Sattel an, geritten von Ihnen und wenn möglich vom Verkäufer.
Welche Kosten kommen neben dem Kaufpreis dazu?
Rechnen Sie mit Pensionskosten, Hufschmied, Tierarzt, Futter und Ausrüstung. Diese laufenden Kosten übersteigen den Kaufpreis oft schon nach wenigen Jahren.
Ist eine Ankaufsuntersuchung unverzichtbar?
Sie ist dringend zu empfehlen, besonders bei Sportpferden oder älteren Pferden. Je nach geplanter Nutzung gehören Röntgenaufnahmen dazu.